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Ganzsachen von Hannover

Wer sich mit den hannoverschen Ganzsachen beschäftigt, wird um das grundlegende Werk von Carl Lindenberg „Die Briefumschläge der Deutschen Staaten“ nicht herumkommen. Im Heft 11/12 beschreibt er sehr detailliert die „Briefumschläge von Hannover“ (Verlag Dr. H. Brendicke, Berlin 1895 - Nachdruck im Peter Feuser Verlag, 1987). Zu unterscheiden sind zwei Arten hannoverscher Ganzsachen: die Stadtpostumschläge für die Stadt Hannover und die Vorstädte sowie die Umschläge für das gesamte Königreich Hannover und das Postvereinsgebiet (Ausland).


Stadtpostumschläge

Die Umschläge, welche innerhalb der Stadt Hannover und den Vorstädten eine Briefzustellung ohne Bestellgebühren zusicherten, kamen am 15.5.1849 als Bestellgeldfrei-Umschläge zum Verkauf an das Publikum zum Preis von 3 Gutegroschen (Ggr.) das Dutzend im Bogen zum selber Falten und als Couvert zu 4 Ggr. das Dutzend. Sie kamen in zwei Farbvarianten vor: in graublau und in himmelblau jeweils mit einem Aufdruck „Bestellgeld-frei“ auf der Vorderseite und rückseitig mit einem 6-zeiligen Text in Frakturschrift, der auf die Bestimmungen über die Verwendung des Umschlags hinweist.

Eine zweite Ausgabe kam 1850 in gelblicher Farbe mit Linienumrandung und Eckornamenten sowie einem kreisrunden Handstempelaufdruck mit Posthorn und Inschrift „BESTELLGELD-FREI“ ebenfalls zu 3 Ggr. bzw. 4 Ggr. heraus.

1852 erschienen Umschläge, bei denen der Hinweistext auf der Rückseite aufrecht steht.

1858 gab die Postverwaltung neue Umschläge heraus mit einem Kleeblatt und Posthorn im Kreis und der Inschrift wie zuvor zum Preis von nun 5 Groschen (Gr.) für 10 Stück bei gleichbleibenden Bestellgeld-Gebühren i.H.v. 3 Pfg. 1861 wurde das Kleeblatts mit dem Posthorn durch das allgemeine Staatswappen, dem springenden Pferd, ersetzt.


Ganzsachenumschläge für das gesamte Königreich Hannover und das Postvereinsgebiet

Obwohl bereits im Posttaxgesetz vom 9.8.1850 im Artikel VIII die Einführung gestempelter Couverts angekündigt wurde, dauerte es bis zum 15.4.1857, bis die ersten Ganzsachenumschläge an die Postanstalten ausgeliefert wurden. Zwei Formate waren zu unterscheiden: ein kleineres in den Maßen 147 x 84 mm und ein größeres mit 148 x 115 mm. Der Nennwert für den einfachen Brief betrug im Inlandsverkehr entfernungsunabhängig 1 Ggr. und der für das Postvereinsgebiet entfernungsabhängig 1 Silbergroschen (Sgr.) bis zu 10 Meilen, 2 Sgr. bis zu 20 Meilen und 3 Sgr. über 20 Meilen. Der Wertstempel auf der linken Seite des Umschlags enthielt den Kopf von König Georg V. nach links blickend. Die Farbe für den Inlandsverkehr war grün, die für den 1 Sgr. Wertstempel rot, blau für 2 Sgr. und gelb für den 3 Sgr. Wertstempel. Sollten schwerere Briefe durch Couverts befördert werden, so mussten entsprechend viele Marken zugeklebt werden, bis das tarifmäßige Porto erreicht wurde. Gerade diese Ganzsachen mit Zusatzfrankaturen stellen ein beliebtes Gebiet der Hannover-Sammler dar.


Aufgrund der Währungsumstellung zum 1.10.1858 vom Duodezimal (Zwölferteilbarkeit) zum Dezimalsystems (Zehnerteilung), waren Ganzsachen in der neuen Währung Groschen notwendig geworden. Sie waren jetzt sowohl für das Inland als auch für das Postvereinsgebiet gültig. Der Wertstempel für den einfachen Brief zu 1 Gr. war in roter Farbe gehalten, der zu 2 Gr. in blauer und der für 3 Gr. in gelber Farbe.


1861 erschien der Wertstempel nunmehr auf der rechten Seite des Umschlags und entsprach somit der allgemeinen Handhabung von Freimarken, die oben rechts auf den Brief zu kleben waren. Gleichzeitig trat an die Stelle des 3 Sgr. Wertstempels in gelber Farbe einer in brauner Farbe.

Letztmalig im Jahr 1863 erfolgte ein Wechsel des Wertstempels von der rechten auf die linke Seite des Umschlags.


Absicht dieses kurzen Abrisses war es nicht, alle Aspekte der Umschläge der Königlich Hannoverschen Post zu behandeln. Dazu empfiehlt sich für den interessierten Leser unbedingt das Werk von Carl Lindenberg über die hannoverschen Umschläge. Wer noch tiefer in die Materie einsteigen möchte und sich Einblick in spezielle Verwendungen der Ganzsachenumschläge verschaffen möchte, dem sei z. B. der Artikel von Hartmut Flöter über Ganzsachen der ersten Währungsperiode mit Zusatzfrankaturen im Arge-Rundbrief Nr. 73 aus 2014 empfohlen.